#28 Kyle & seine fast 50 Jahre bei YFU
Shownotes
1977 kommt Kyle als Austauschschüler mit YFU nach Deutschland. Was zunächst als ein Jahr im Ausland geplant ist, wird zu einem deutlich längeren Lebensabschnitt. Neben Freundschaften findet Kyle auch die Liebe und beschließt, zu bleiben. Gleichzeitig erlebt er mit dem Deutschen Herbst ein historisch prägendes Jahr in Deutschland. Besonders beeindruckt ihn der lockere Umgang mit Jugendlichen und die Freiheiten, die er als 18-Jähriger in Hamburg genießt.
In dieser Folge berichtet Kyle, wie er schließlich in der Hamburger Geschäftsstelle von YFU zu arbeiten beginnt und warum YFU ihn bis heute begleitet.
Es ist eine Geschichte über Zufälle, Verbundenheit und ein Austauschjahr, das ein ganzes Leben geprägt hat. Warum Kyle eine Professur in den USA ablehnte, was die Mission von YFU für ihn bedeutet und was hinter seiner Übersetzung der Human Family steckt, erfahrt ihr in dieser Folge.
Unser Ziel mit diesem Podcast ist es, euch in die Welt von YFU mitzunehmen!
Bei Fragen, Wünschen oder Anmerkungen könnt ihr uns gerne eine Nachricht an podcast@yfu-deutschland.de schicken.
Link zur YFU Podcast-Playlist: https://open.spotify.com/playlist/6NBtDHUSeJWYBzdORt7TdC?si=07723572792d425b
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Review in der Welt zu Hause Podcast.
00:00:04: Mein Name ist Hannah, ich bin heute selbstverständlich nicht alleine hier sondern habe ein Gast mitgebracht.
00:00:11: Machst du dich einmal kurz vorstellen?
00:00:14: Ja, Hannah!
00:00:15: Ich heiße Kyle Boyd.
00:00:17: Mein eigentlicher gesetzlicher Name ist Timothy.
00:00:22: das verwirrt manchmal weil das in Signaturen von E-Mails so erscheint aber Kyle ist mein Rufname Ja, und ich bin eingefleischter YFU-Ler seit fünfzig Jahren oder so.
00:00:35: Und freue mich auf unser Gespräch!
00:00:38: Ich freu' mich auch sehr aufs Gespräch... ...und muss direkt reinstarten.
00:00:41: Fünfzig Jahre?
00:00:42: Wie kam es dazu?
00:00:45: Ja, ich fahre in den Jahr nineteenhundertsebben und siebzig ein Austauschschüler.
00:00:50: nach meiner Highschoolabschlussphase wusste ich nicht was ich genau machen wollte.
00:00:58: In einem Gespräch mit meinem Vater hat er einen Austauschjahr als Option angesprochen.
00:01:06: Und so fing das alles an, dass ich nach Deutschland gekommen bin für ein Jahr, knüpfte sehr viele Freundschaften und darunter auch entwickelte sich eine kleine Liebesbeziehung.
00:01:22: Das führte in Folge dazu.
00:01:24: drei Jahre später bin ich nach Hamburg gezogen Und seitdem arbeite ich nebenbei immer und später hauptberuflich für WFU.
00:01:34: Und lebe in Hamburg.
00:01:36: Dein Außersteig ist jetzt dann wirklich schon ein paar Jährchen her, erinnerst du dich noch an den Moment wie das war da ans Flugzeug zu steigen damals?
00:01:45: Oh ja also genau an diesen Augenblick kann ich mich sehr gut erinnern.
00:01:52: Das war ein Charterflug von Chicago Nach Hamburg damals, das waren tatsächlich... Das war noch die Blütezeit des Austausches im Hinblick auf US-Amerikaner, die nach Deutschland kommen.
00:02:07: Wir waren gut dreihundert Schüler und als ich in diesen Flieger gestiegen bin und mich umgeguckt habe auf all die anderen Schülerinnen dann dachte ich wir sitzen jetzt alle im selben Boot So unterschiedlich wir sind aus unseren jeweiligen Ecken der USA und klicken und so was.
00:02:28: Und das war ein Gefühl von Befreiung, weil ich dachte... Ich kann sein, wer ich will.
00:02:37: Das fand ich toll!
00:02:39: Und wer warst du dann?
00:02:40: Das Jahr über?
00:02:42: Ja also da offen denke ich wirklich ungehemmt Das ist vielleicht nicht das Wort, sondern eher so... Ja ich fühlte mich sehr locker befreit.
00:02:58: Also mich einfach zu zeigen und ich war sehr neugierig und das traf sehr gut auf die Sumpfe.
00:03:07: Die Leute waren neugirig auf mich und ich auf sie also das passte super.
00:03:14: Wie war denn Deutschland?
00:03:15: Auch das Land war ja damals schon noch ein anderes!
00:03:18: Wie hast du das
00:03:18: erlebt?!
00:03:19: Ja, das ist ganz spannend weil ich nun ja so karrieremäßig mich auch mit der Geschichte Deutschlands befasst habe.
00:03:27: Um die... Das Jahr, hier war es im Jahr neunzehnhunderts und siebzig ist historisch markant gewesen.
00:03:33: Das war der deutsche Herbst wo die RAF eine Entführung vorgenommen hatte von Hans Martin Schleyer.
00:03:43: Das wurde ein Riesenthema in meinem Austauschjahr.
00:03:47: Als ich ankam in Hamburg, standen Menschen rum mit Maschinengewehren.
00:03:53: Damit hatte ich nicht gerechnet.
00:03:56: Aber schon bald tauchte ich in den Alltag ein wo man nichts von all dem merkte.
00:04:03: aber es war alles wirklich sehr, sehr anders.
00:04:06: was sich super toll fand ist dass es weniger puritanische Trigide war der Umgang mit Jugendlichen lockerer und das hatte ich immer schon in den usa als am sort empfunden dass da so viele restriktionen sind für jugendliche.
00:04:28: es gibt natürlich immer wege wie man sie umgeht aber die in deutscher muss man das nächen.
00:04:34: also dass sich mit ich war ja schon bald acht zehn aber dass ich mit gleich alterigen einfach an die knipe gehen konnte das fand ich
00:04:44: tun Das kann ich mir vorstellen, das glaube ich.
00:04:48: Und du hast damals auch schon direkt in einer Gastfamilie in Hamburg gelebt?
00:04:52: Ja!
00:04:53: Ich fürchte, ich habe die Gastfamine nicht so viel mit meiner Anwesenheit beglückt wie ich das später immer empfehlen musste.
00:05:03: Weil es gab eine Überlappung.
00:05:07: Ein Monat lang habe ich Sprachkurs gemacht im Popnbüttel Und es gab einen Klingel von deutschen Austauschschülerinnen, die sich vorbereitet haben auf den Austauschen in der USA.
00:05:22: Es war so eine Überlappung und mit dieser Gruppe haben wir in meinem Sprachkurs regelmäßig Sachen unternommen, einfach Hamburg unsicher gemacht.
00:05:36: Diese Zeit war sehr intensiv, hat meine Bindung an Hamburg im Endeffekt... gegründet und in dieser Frage vergessen.
00:05:48: Ich auch, ich bin es abgetaucht gerade in der Geschichte.
00:05:53: Das passiert mir leider auch, aber jedenfalls das war der Anfang von der Bindung zu YFU in tiefgründender Weise.
00:06:03: ja
00:06:05: Er hat ja dann sozusagen schon da direkt einen kulturellen Austausch gestartet, den Monat, in dem die beiden Gruppen sich überlappt haben.
00:06:12: Ach
00:06:12: du hattest nach meiner Gastfamilie gefragt!
00:06:15: Ja siehst du?
00:06:15: Die verdräng ich zu schnell.
00:06:18: Also letzten Endes war sehr dankbar dass Sie mich aufgenommen haben und es war ein total freundliches Miteinander.
00:06:32: Aber wie gesagt, ich habe ganz viel mit deutschen Austauschüren in meinem Sprachkurs den Tag verbracht.
00:06:39: Was würdest du sagen?
00:06:39: Hat dich
00:06:40: geprägt
00:06:41: das Jahr über?
00:06:43: Also das Wort Prägung ist so dermaßen YFU-Wort und ich hab nachher natürlich soviel damit zu tun gehabt dass sich es fast unzulänglich finde als Begriff für das was mir im Austauscht passiert ist prägend.
00:07:03: Aber eben sehr, es war mehr wie eine Unprägung oder Weiterbeeinflussung, dass ich unglaublich viel Neues in mir und der Welt entdeckt habe was mein bis dahin getragenes Empfinden von Wer Bin Ich unglaublich stark geändert hat und ergänzt hat?
00:07:27: Es hat das nicht weggemacht aber eben ergänzend und verändert.
00:07:33: Für dich ging es dann nach dem Jahr nach Hause?
00:07:38: Und dann wusstest du zu dem Moment schon, da kommt noch was für mich geht die Reise weiter?
00:07:44: oder war das dir in den Momenten überhaupt nicht bewusst?
00:07:48: Also ich hatte keine Pläne nach Deutschland zurückzukehren außer Besuchsweisen.
00:07:55: in diesem Klingel von Deutschen, die ich in Hamburg kennengelernt habe, gab es eine besondere.
00:08:02: Und wir hatten eine Brieffreundschaft während meines Austauschschares und das wurde zur... Also es war eine Briefliebschaft und wir besuchten uns jeden Sommer.
00:08:15: Zudem hab' ich in den USA Germanistik zunehmend studiert und irgendwann kam diese Freundin nach Oklahoma und wohnte mit mir in einer Wohnung für ein halbes Jahr und sagte, das ist absurd hier in der Prairie Deutsch zu lernen.
00:08:33: Warum gehst du nicht nach Hamburg?
00:08:35: Und kannst dort studieren ohne
00:08:38: Studiengebühren?".
00:08:39: Das hat mich erst mal umgehauen.
00:08:42: also der Grund für meine Rückkehr nach Hamburg war diese Kombination aus Liebschaft und Studium und von da aus ist alles andere erwachsen.
00:08:53: Wie kann ich mir das praktisch vorstellen?
00:08:55: Du hast dann gesagt aus Oklahoma, okay.
00:08:56: Ich schreib mich jetzt an der Uni Hamburg ein.
00:08:58: oder wie lief das ab?
00:09:00: Ich musste mich bewerben und ... Das ging gut.
00:09:04: also die.
00:09:05: es gab was es vermutlich immer noch gibt eine Quote für Ausländer Studierenden Und ich wurde angenommen mein bis dahin angefangenes Studium in den USA dass sehr fragmentarisch war, also ich habe angefangen Ingenieurwesen zu studieren und nachher aber zunehmend Geisteswissenschaften und Deutsch.
00:09:33: Das heißt sich war Studienanfänger in Hamburg, aber mit ein bisschen Basis und musste Deutsch Test machen und da durfte ich dank meines Austauschjahres gleichstudien ohne weiter Sprachkurs Sachen machen zu müssen.
00:09:51: Und wie bist du dann zurück zu YFU gekommen?
00:09:56: Ja, die Wohnung, die meine damalige Freundin organisiert hatte für uns.
00:10:01: Weil hier in Winterhude, wo ich noch immer wohne – es war eine andere Wohnung aber auch immer sehr nah an dem damaligen Bro vom YFu und wir beide hatten schon sowieso in den Sommerzeiten, wo wir zusammen kamen ehrenamtlich für WIFU Sachen gemacht.
00:10:23: Und deswegen kannte ich das Büro und dann haben wir beide Studienjobs da angefangen, zwar so ein kleiner Nebenjob neben dem Studium aber schon täglich.
00:10:37: In welcher Rolle damals?
00:10:42: Im Grunde war ich Rezeptionist Was nicht immer gut ging, weil mein Deutsch war... Also ich sagte immer deutsches.
00:10:51: jetzt von der Standing Committee Boyd guten Tag.
00:10:54: Und dann hieß es auf ja Herr T. Boyden.
00:10:59: Aber jedenfalls wurde ich zunehmend verantwortlich für die Technik im Büro.
00:11:05: Es gab damals noch keine Computers aber es gab die Vorstufe, also Geräte, die Serienbriefe zum Beispiel programmieren konnten, für die berühmte Schulausschreibung.
00:11:21: Da mussten unzählige Briefe getippt werden für die deutschen Schulen und da war ich verantwortlich für diese Maschine.
00:11:30: Wie war der Verein damals?
00:11:32: Also wie kann ich mir das vorstellen?
00:11:33: jetzt so ein bisschen die Optischbühne, die Bürorämer.
00:11:36: Kann ich mir jetzt vorstellen, die technische Ausstattung.
00:11:39: aber wie sah das von den Strukturen damals aus?
00:11:41: also es war sehr viel mehr Vereine als Geschäftsstellen.
00:11:44: Die Geschäftsstelle war ja noch in denen anfangen.
00:11:49: Das war eine spannende Evolution bei YFU und also die Strukture.
00:11:54: Aber wir waren fünf Angestellte mehr oder weniger fünf, sechs.
00:12:00: Der damalige Vorsitzender Ure Zalten war regelmäßig im Büro und beaufsichtigte sehr viel.
00:12:07: also es durfte kein Brief aus der Geschäftsstelle verschickt werden ohne seine Beaufsichtigungen und Unterschrift.
00:12:14: das waren schon andere Verhältnisse.
00:12:17: die Landesgruppe Hamburg hat sich regelmäßig in Büro getroffen und war sehr aktiv so wie Die Vereinslandschaft war sehr belebt und durchaus präsent in den Entscheidungen, die das Arbeiten in der Geschäftsstelle bestimmt haben.
00:12:37: Wann was passiert?
00:12:40: Und wie sah dann die weitere Entwicklung aus?
00:12:44: Wir haben ja von Anfang an gehört, die hast du live miterlebt!
00:12:47: Ja
00:12:47: natürlich subjektiv und nur ein kleiner Winkel aber ich habe Ein bester Way of view Freund in München, Cornelius Göris war damals auch sehr aktiv im Verein.
00:13:02: Neulich bei meiner Verabschiedung von der Geschäftsstelle kamen viele zusammen die auch damals Anfang der Achtziger dabei waren.
00:13:13: Es war unglaublich schön wieder diese Erinnerungen hoch kommen zu lassen was wir damals für einen Alltag hatten.
00:13:23: Und diese Energie des Zusammenseins, sowohl mit den Angestellten von YFU in der Geschäftsstelle als auch mit dem Menschen im Verein ist eine Konstante durch die gesamte Geschichte meiner Werdegang.
00:13:40: Es ist nicht nur dieses Beisammensein mit so vielen toll motivierten Menschen und die Mission von YFU.
00:13:54: Diese zwei Dinge zusammen waren konstant, die durch alle Änderungen hindurch gewirkt haben, tragend.
00:14:06: Aber es hat sich in der Tat sehr viel verändert.
00:14:10: Die kräfte Verhältnisse sind etwas überzogen gesagt aber schon welche Zuständigkeiten hat die Geschäftsstelle?
00:14:22: welche Aufgaben werden erfüllt im Verein, wie funktioniert das alles?
00:14:27: Das ist sehr wandelhaft.
00:14:31: Es ist eine große Entwicklungsgeschichte und meines Erachtens sehr gut navigiert worden.
00:14:38: also es war sehr wichtig finde ich dass es seine Entwicklung gab bei der YFU professionell agieren konnte auf dem Also auf dem Markt sozusagen der Austauschorganisationen und gleichzeitig das große Herz eines ehrenamtlichen Vereins beibauen.
00:14:56: Ich glaube, es wird
00:15:00: dich ein Moment an dem du gemerkt hast auch dass jetzt mehr als nur einen Studentenshop für mich ist schon vielleicht sogar eine Art Berufung?
00:15:08: Ja, das kam relativ spät.
00:15:10: also ich habe lang studiert und es war erst Da hatte ich erst seit drei Jahren Vollzeit bei YFU zu arbeiten begonnen und zwar mit der ganz klaren Aufgabe im Insenderprogramm Betreuung zu machen.
00:15:32: Davor in den ganzen Jahrzehnten war ich eben wie vorhin erzählte, so mit Technik hatte ich zu tun, ich war Programmierer, ich habe die IT gemacht.
00:15:47: Nun war ich also in einem neuen Arbeitskontext bei YFU ab zweitausend.
00:15:53: In der Betreuung und das ist Hands-On natürlich, die... Also das Herzstück der YFu Arbeit.
00:15:59: für mein Gefühl Und ich habe mich beworben auf eine Professur in den USA Für Germanistik Bekam ein Angebot und aus das konkret wurde und ich die Frage eben für mich klären musste was will ich eigentlich?
00:16:16: Wo geht's hin?
00:16:17: Dann erkannte ich, dass ich bei YFU sehr viel mehr Erfüllung konkret erleben konnte und auch mit meiner Familie hier in Deutschland eine Entwurzelung um in die USA zu ziehen.
00:16:35: wirtschaftlich all das hätte sehr sehr viel gebraucht an Investitionen und Wille.
00:16:43: Und da habe Ich bin gut aufgehoben.
00:16:47: Dann wurde YFU für mich von Beruf zur Berufung.
00:16:53: Spannend, dann hast du tatsächlich dich dagegen entschieden und das hier geblieben?
00:16:57: Ja ich brauchte die offene Tür um das zu erkennen.
00:17:01: also ist immer wieder so wichtig dass man eine Option konkret erprobt bis sie real werden könnte und dann kann man gute Entscheidungen treffen.
00:17:12: sonst redet man sich alles möglich aus.
00:17:17: Was genau an der Arbeit war es denn, wo du sagst das hat dich erfüllt?
00:17:23: Ja also gerade in der Betreuung was ich vorhin gemeint habe.
00:17:28: Das schöne Miteinander war sowieso tragend im Alltag ja aber die Mission.
00:17:33: Also dass das YFU im Grunde die Kernerfahrungen von einem Austausch erleben gibt so viel dynamisches her.
00:17:49: Also man kann da wirklich feststellen, als Rachel Landresen WIFU gegründet hat, kann sie nicht selbst erkannt haben was da alles gelungen ist hinsichtlich des Formats eines Austauschars also diese bestimmte Erfahrung das junge Menschen in einem Alter wo sie einerseits gefestigt genug sind, um viel Neues anzutreten und andererseits noch so flexibel sind, dass sie sich einlassen können auf völlig neues und Fremdes.
00:18:25: Das zu nutzen in der Weise wie WIFU das macht, dass junge Menschen in eine Aufnahmekultur reingehen Das ist tatsächlich eine unglaublich erfolgsversprechendes Modell für Lernen.
00:18:42: Und mich fasziniert schon immer am meisten das Lernen über die Beziehung zur Welt, wer bin ich?
00:18:54: Was ist diese Welt und wie passt das alles zusammen?
00:18:58: Schüleraustausch gibt einem so viele Werkzeuge um das besser zu auszulogen.
00:19:06: Und das habe ich sehr gespürt, immer wieder in der Betreuung.
00:19:09: wenn man mit Eltern und Kindern und Beteiligten sprecht dann merkt man, boah da geht die Post
00:19:14: an!
00:19:15: Was heißt es?
00:19:16: Ja also dass wirklich alles möglich im Bewegungsgerät.
00:19:19: Also die Fragen, die aufkommen im Austausch sind existenziell.
00:19:24: Nicht immer und nicht jeden Tag Gott sei Dank.
00:19:27: Sonst würde man das nicht verkraften.
00:19:29: Kein ganzes
00:19:30: Ja.
00:19:31: Aber mein Gerät immer wieder an Stellen.
00:19:34: der berühmte Kulturschock sorgt auch wirklich für ganz grundlegende Infragestellungen, die ergiebig sind.
00:19:44: also ich glaube wir wissen vom Lernen ist immer wieder nur funktioniert, wenn man bereit ist bis dahin geglaubt ist auch mal über den Haufen zu schmeißen und Neues anzunehmen.
00:20:01: Im Schüler-Austausch passiert das regelmäßig!
00:20:06: Du hast es eben schon angedeutet.
00:20:08: was hast du vielleicht persönlich gelernt?
00:20:10: Über die Jahre, über die Welt allein durch den Austausch mit den Jugendlichen, mit den Familien, mit dem Gastfamilien.
00:20:18: Also, es ist wirklich ziemlich umfassend.
00:20:24: Das fasziniert mich fast am meisten bei der YFU Sache.
00:20:28: Es passt alles wie zwiebelförmig zu den nächsten Ebenen.
00:20:35: Man erlebt etwas nahe zum Beispiel in einer Gastfamilien-Situation wo es eine Konfliktentwicklung gibt und unterschiedliche Haltungen im Spiel sind.
00:20:49: In meinem Austauschjahr gab es nur ein Eklat und es war meine Gastmutter hat gesagt, Tim du sprichst schlecht über die Gastfamilie wir rufen morgen YFU an und du bist raus.
00:21:03: ich hieß Tim.
00:21:04: in meinem Austauchschah war das auf meinen Unterlagen stand und ich konnte mir das nicht aufklären.
00:21:09: aber jedenfalls ich wusste nicht was mir passiert waren Und im Endeffekt habe ich einfach gesagt, was auch immer ich getan habe.
00:21:22: Es tut mir total leid!
00:21:23: Ich möchte unbedingt hier bleiben und ich mag euch so.
00:21:27: Das ist mir so
00:21:30: wichtig.".
00:21:31: Dann war das wie vergessen – wie weg?
00:21:34: Es war ein Rätsel, dass ich erst viele Jahre später entziffert hab.
00:21:39: auf einem Klassentreffen in meinem Austauschort Bad Berleburg haben mir Freunde gesagt, Mensch Tim damals das war so so Mist dass du nicht immer mitkommen kannst.
00:21:50: Wir konntest wenn wir ausgegangen sind ich sag was?
00:21:54: Wir sind doch andauert unterwegs gewesen.
00:21:57: Nein du hast gesagt ich muss zu Hause bleiben und ich dachte habt ihr das damals besprochen?
00:22:05: von wegen der arme Tim kann nicht mit kommen weil er bei seiner Gastfamilie bleiben soll.
00:22:12: und das war es so.
00:22:13: also ist hatte sich umgesprochen, kam zu den Ohren.
00:22:20: meine Gastmutter Tim beschwert sich darüber dass er nicht alles machen darf.
00:22:25: Diese Erkenntnis also als ich das in Ziffert habe lernte ich etwas was für die Betreuung sehr wertvoll war nämlich jungen Menschen sagen zu können du kannst unmöglich wissen was alles auf dem Spiel steht wenn ein Konflikt entsteht.
00:22:42: Das weißt Du nicht.
00:22:43: Du kannst aber deine Dankbarkeit und Reue zeigen.
00:22:49: Und das ist was, was ich gelernt habe in diesem Austausch auch mehr Reflex als Bedachtheit.
00:22:58: Aber die mysteriöse Entfaltung von einer Erfahrung, die zunächst ganz schmerzhaft war zu einer unglaublich wertvollen Lernerfahrung.
00:23:12: Das erlebte ich über all diese Jahre immer wieder an so vielen Stellen und bei so viele Jugendliche und Eltern haben wir von solchen Erfahrungen erzählt, dass sich das immer wieder toll fand.
00:23:26: Ich habe einen Abschiedstext sozusagen mit dem du dich aus der aktiven Arbeit bei WFU verabschiedet hast gelesen, was du geschrieben hast, das Austausch auch ein Verständnis dafür schafft Teil Menschen in Familie oder der human family zu sein.
00:23:44: Was
00:23:45: meinst du damit?
00:23:49: Also das ist eine Übersetzungsproblematik, also die Human Family würde ich ersetzen oder übersetzen die Familie der Menschheit.
00:24:05: Human Family im Englischen würde man oft sagen the family of men.
00:24:12: Das ist aber heutzutage wegen Gender-Thematik nicht mehr so wirklich nützlich, aber praktisch die Familie der Menschheit.
00:24:24: Und ich habe das von meinem Vater übernommen.
00:24:28: Er hat in seiner letzten Vorlesung – er ist Philosoph und Religionswissenschaftler gewesen – eigene Definition von moralischem Sein formuliert und es war kurz im Klappe sagte Es bedeutet die Einstellungen und Handlungen, die du hast So zu gestalten dass sie der Familie der Menschheit zugutekommen.
00:25:04: Und so habe ich das gemeint.
00:25:05: Das bei WIFU lernt man genau das also dass die Menschheit eine Familie ist.
00:25:15: Was hat sich vielleicht über die Zeit im Sinne von Austausch und Erfahrung, die Jugendliche im Austauschwachen verändert?
00:25:24: Die Rahmenbedingungen?
00:25:26: Ja das könnte nicht dramatischer sein.
00:25:30: also ich denke auch da bei YFU weil diese bestimmte Form der Erfahrungen, also Austauschsaufenthalte so vielschichtig ist und immerso diese Relation zwischen Einzelpersonen- und Welt, so in Bewegungen bringt.
00:25:51: Es ist natürlich sehr entscheidend was sich da abspielt wie sich die Welt entwickelt und diese Beziehung zu dem Individuen Und die Social Media Entwicklung hat Schüleraustausch absolut entscheidender verändert In den ersten Jahrzehnten nachdem Schüleraustauschschfängern nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:26:17: Und E-Mail kam erst neunziger auf und war auch nicht so das umfassende Medium, also alle Austauschaufenthalte die in den Jahrzehnten bis zum Millenniumwechsel stattfanden unter Lager dem Prinzip dass ein junger Mensch woanders hin transportiert wird und dort tatsächlich ziemlich isoliert ist.
00:26:42: Also es kam wirklich voll drauf an sich dort einzuleben, weil eine Abholung von zu Hause so einer Verständigung über Alltagsprobleme war nicht drin.
00:26:54: Die Briefe die ich an meinen Vater geschickt habe während meines Aufenthalts brauchten zwei Wochen hin, zwei Wochen zurück und später hat mir gesagt Mensch Keil jedes Mal dass ich einen Brief von dir bekam Das war für mich so belastend wegen der Probleme, von denen du gesprochen hast und gesprochen hast.
00:27:18: Und ich sagte, ich hatte keine Probleme!
00:27:21: Was ist das denn?
00:27:23: Auch das zeigte mir, hätte ich damals eine unmittelbare Leitung zu meinen Eltern gehabt dann hätt ich natürlich auch jeden Tag gerade das Belastende erzählt und nicht das Gesamtdenken wie gut es mir geht.
00:27:43: Diese Entwicklung macht es für junge Menschen und deren Eltern im Austausch heute sehr viel schwieriger, weil eigentlich geht es um Immersion in diesem neuen Kontext.
00:27:56: Aber unsere heutige Gesellschaft stellt ganz viele Rahmenbedingungen auf die das besonders schwer machen – also die Ablenkung der schnelle Ausweg der Weg des geringsten Widerstandes.
00:28:12: Das ist alles in Angebot, aber wieder Rachel Andreisens brillante Vorlage, Vorgabe das der Aufenthalt langfristig ist sorgt dafür dass die Sache die junge Menschen ansieht.
00:28:33: was sie haben wollen bekommen Sie nicht wenn sie immer nur ausweichen und wenn sie Irgendwann drückt der Schuh und man muss sich auf die Menschen vor Ort so einlassen, wie es möglich ist um tatsächliche Bindung zu gewinnen.
00:28:51: Und insofern gerade weil diese Austausche auf Enhalte längerfristig sind entwickeln sich doch letzten Endes genau die Verbindungen auf die es sein.
00:29:04: Vielleicht eine provokante Frage aber das ist ja schon beschrieben.
00:29:07: mit Social Media heute wir können unser Handy öffnen sind zumindest gedanklich innerhalb von Sekunden am anderen Ende der Welt.
00:29:15: Und so richtig Backphones Hause, das man ja wie du selbst beschrieben hast eigentlich gar nicht mehr.
00:29:21: Braucht es dann den Jugendaustausch überhaupt noch?
00:29:24: Oh ja!
00:29:25: Gerade wegen dieser... also ich glaube immer mehr Erkenntnis über die Auswirkungen von diesen neuen Medien und von den Technologien die auch ins Klassenzimmer reinkommen und ich glaube wir lernen immer mehr, dass es eine Schattenseite gibt.
00:29:50: Und das sehr viele Qualitäten und Fähigkeiten abhanden kommen oder nicht adäquat gepflegt werden im regulären Bildungssystem Und Schüleraustausch ist nach wie vor ein Kontext, in dem genau das spürbar wird.
00:30:07: Weil man merkt menschlich hat so viel mehr davon mit dieser fremden Person zum Mittag zu gehen als zu posten im Instagram.
00:30:20: Was genau sind die Werte oder die Eigenschaften, die man über Schüler austauscht lernt?
00:30:27: Die anders aber kaum oder nur sehr schwer zu lernen sind?
00:30:32: Also ich glaube eine sozial- oder beziehungstechnische Erfahrung, die im Austausch einfach automatisch ja so als Lehrstück liegt.
00:30:47: Wenn ich im Alltag alles so angehe Hauptsache ich bekomme das was ich brauche um glücklich zu sein werde ich vermutlich nicht wirklich glücklich während wenn Ich will mal sehen, dass ich mich so einbringe.
00:31:05: Dass es mir und diesen anderen Menschen gut tut.
00:31:09: Das meinte ich vorhin mit der Human Family.
00:31:12: Es ist dieses Geben und Nehmen das ist eine Erfahrung die absolut Grundwegendes.
00:31:18: Das ist ethisches Grundlernen Und natürlich in der heutigen Welt ist sehr viel erfüllende Energie von einem geblenden und nehmenden Austausch zu machen, dann ist der Rest folgt daraus denke ich.
00:31:44: Also die Werte, die YFU, Weltoffenheit, Akzeptanz, Toleranz, Demokratieverständnis – all diese Werte können wunderbar aufbauen auf diesen grundsätzlichen Erkennen.
00:32:02: Es geht darum, wie ich Teilhabe an diese Welt und nicht was sich der Welt abnehme.
00:32:12: Also es geht nicht um Konsum sondern Austausch.
00:32:18: Was wünschst du dir für den Schüler-Austausch der Zukunft?
00:32:22: Ja so sehr das ist das ganze Gedeit.
00:32:25: Ich finde also WIFU ist aktiv in der politischen und Lobbyarbeit in der Bemühung, Austausch möglichst so als Selbstverständnis zu etablieren im Bildungssystem.
00:32:42: Ich denke ein Grunde sollte jeder junge Mensch die Gelegenheit haben in die Ferne zu gehen Erfahrung zusammen und möglichst auch in dem längerfristigen Format.
00:32:56: also ich wünsche mir dass das gefördert wird und gedeiht, dass wir bei YFU die Mittel- und Wirklichkeiten bewahren und weiterhin pflegen das Ganze unterfangen gut zu begleiten.
00:33:13: Gut aufzubereiten und gut fortzusetzen.
00:33:21: Die Frage an mich selbst und wegen wie hat YFUs mich geprägt?
00:33:27: zeigt für mich es steckt so viel drin Das ist absolut lohnt und sinnvoll, ganz viel da Aufmerksamkeit zu investieren.
00:33:39: Und Struktur auch dieser Podcast ist ein Beispiel für eine Innovation die die Erfahrungsmöglichkeiten bekannt macht öffnet und begleitet.
00:33:56: das wünsche ich mir dass es immer weiter geht.
00:33:58: Wenn
00:34:02: wir uns jetzt mal einen Jugendlichen vorstellen, der vor der Entscheidung steht, ein Austausch zu machen.
00:34:07: Ganz egal wo auf der Welt, vielleicht diesen Mojufler in der Hand... Was würdest du dem Jugendlichen raten?
00:34:17: Also trau dich!
00:34:21: Unbedingt ernsthafte Erwägungssiege.
00:34:25: wenn ich denke frag dich dann, wenn du zauberst fühle ich mich bereit mich wirklich auf Neues einzulassen.
00:34:33: sehe ich mich bereit um in der Lage nicht einzubringen woanders.
00:34:38: und wenn die Antwort ja ist dann hast du alles was es braucht.
00:34:42: Gut, ich würde sagen abschließend ein guter alter Podcast-Tradition.
00:34:47: Ich frage an dich gibt es einen Song Ein Lied der dir direkt in den Kopf kommt wenn ich dich danach frage Was du so mit dem Austauscher bindest?
00:34:58: Mit deiner eigenen Auslandserfahrung oder auch generell mit einer Langzeit mit einem forty-fünf Jahren bei BFU.
00:35:06: Ja, also ich bin sehr Musikverliebt und war es schon bevor ich nach Deutschland kam und siebundseipzig das Jahr in dem ich eben abgeflogen bin nach Hamburg, war ich einmal im Auto und hörte im Radio dass Queen nach Dallas kommen würde.
00:35:31: Und ich habe da spontan entschieden, ich fahre dahin und Freunde und ich sind hingefahren.
00:35:37: Das heißt wenige Monate bevor ich in den Austausch kam, hab' ich Queen gesehen.
00:35:43: Es war gigantisch!
00:35:45: Das Austauscher selbst war unglaublich stark musikalisch begleitet.
00:35:50: also ich war andauernd in Wohnstuben von Freunden und wir hörten endlos für Musik und viele spielten Gitarre um so was.
00:36:00: Aber irgendwann ging ich in einem Plattenladen, in der Straße neben meiner Schule.
00:36:06: Weil Queen hatte eine neue Platte und ich legte sie auf.
00:36:09: Ein Kopfhörer hörte Ich We Will Rock You Und We Are The Champions.
00:36:14: die zwei Lieder gehen ineinander über.
00:36:16: Ich fand es erstmal befremdlich.
00:36:18: das war ganz anders als was ich bis dahin kannte von Queen aber das wurde schon zu einem Anthem zuletzt eben im Budapest angestimmt von Massen, von Menschen.
00:36:33: Ich finde das sehr bewegend und toll, dass was dafür ein Geist zum Ausdruck kommt Und We Will Rock You ist ja zunächst ohne Instrumente.
00:36:42: Das habe ich im Bus immer gesungen Wenn die klasse Gemeinschaft unterwegs war.
00:36:49: Tim sing mal we will rock you!
00:36:51: Und ich denke das passt auch zu YFU Miracium.
00:36:56: Perfekt, da kann ich gar nichts mit zu ergänzen.
00:36:58: Nimm mich mit!
00:36:59: Kann noch mitgehen und bin natürlich unfassbar nalsch auf deinem Konzertbesuch bei Queen.
00:37:03: wie toll.
00:37:03: Voll neils toll, ja.
00:37:05: Das glaube ich Und kann nur... Danke sagen!
00:37:08: Danke für das Gespräch, für die Einblicke, für deine Zeit heute am Sonntag.
00:37:12: Danke dir Hannah, war sehr schön mit dir zu sprechen.
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